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>Bürowelten>Kreativität - Wissensarbeit>Erfolgsfaktor "Lernen"

Erfolgsfaktor "Lernen"

"Unternehmen, in denen ein kreativer Geist herrscht, funktionieren im Prinzip so ähnlich wie menschliche Gehirne: Sie lernen durch Versuch und Irrtum, sie entwickeln flache, stark vernetzte Strukturen, sammeln Erfahrungen und passen ihre innere Organisation immer wieder neu an die jeweiligen Erfordernisse an. Durch kommunikative Netzwerkstrukturen gelingt es ihnen, nicht nur möglichst rasch und effizient, sondern auch möglichst umsichtig und nachhaltig auf neue Herausforderungen zu reagieren."

Aus: Gerald Hüther, Bernd Schmid. Der Innovationsgeist fällt nicht vom Himmel – Voraussetzungen für die Entfaltung kreativer Potentiale in Organisation aus neurobiologischer und systemischer Sicht.

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Lernen durch Kommunikation

Wie lernen Büroarbeiter? Die US-amerikanische Unternehmensberatung BOSTI Associates untersuchte in den 1990er-Jahren in einer Langzeitstudie, wie Büroarbeitsplätze zum Unternehmenserfolg beitragen können. Ein Untersuchungskomplex widmete sich dem Thema Lernen – mit folgenden Ergebnissen:

  • 87 Prozent aller Befragten gaben an, aus informellen Gesprächen mit Kollegen zu lernen.
  • 24 Prozent nannten Schulungen oder (geplante) Meetings als wichtige Lernquelle.

Der spontane Austausch zwischen den Kollegen ist damit die häufigst genutzte Lernquelle. Er ist meist die schnellste und praxisbezogenste Möglichkeit, kleine und größere Wissenslücken zu schließen.


Vergleich verschiedener Arbeitsplatzkonstellationen

Unterschiede zwischen der Einschätzung von Personen, die in Großräumen arbeiten und solchen, die in abgegrenzten, kleinen Zellenbüros arbeiteten, gab es nicht. Offensichtlich suchen Mitarbeiter, die in kleineren Zellenbüros arbeiten, gezielt den Kontakt zu ihren Kollegen, wenn sie sich daraus einen Informationsgewinn versprechen. Die Initiatoren der Studie schließen daraus, dass offene Raumstrukturen nicht grundsätzlich kommunikations- (und lern-)förderlicher sind als abgegrenzte kleine Bürozellen. Ein Vorteil gemeinsamen Arbeitens in einem Raum dürfte sich wohl erst ergeben, wenn die räumliche Zuordnung der Arbeitsplätze nach inhaltlichen oder thematischen Kriterien erfolgt.

Quelle: Michael Brill, Susan Weidemann, Brill Associates – Disproving widespread myths about workplace design, published by Kimball International, 2001

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Lernen und Motivation

Prof. Gerald Hüther, Zentralstelle für Neurobiologische Präventionsforschung der Universität Göttingen und Mannheim/Heidelberg, betont die Bedeutung der intrinsischen (inneren) Motivation für das Lernen:

  • Positive Erwartungen, Neugier (und Lust zu Lernen), Herausforderungen sowie erfolgreiche Bewältigung (und das daraus entstehende Selbstvertrauen) bilden einen sich postiv verstärkenden Kreislauf.

Vermieden oder gezielt unterbrochen werden sollte dagegen der negative Kreislauf aus

  • Negativer Erwartung, Vermeidung (und Angst), Belastung sowie gescheiterter Bewältigung (und daraus entstehenden Selbstzweifeln).

Neben den Erwartungen und gedanklichen Verstärkern haben auch physische Empfindungen einen Einfluss auf den Lernerfolg. Körperliches Wohlbefinden und Bewegungen wirken lernfördernd.

Für den betrieblichen Alltag bedeutet dies, dass Führungskräfte Lernziele deutlich kommunizieren und Erfolge positiv verstärken sollten. Gleichzeitig sollten den Lernenden möglichst große Freiräume zur Verwirklichung ihrer eigenen Lernziele eingeräumt werden. Die Arbeitsplatzgestaltung kann zur Unterstützung des Lernerfolgs beitragen.

Zitiert anhand des Vortrages "Gelassenheit – Anregung für Gehirnbenutzer" im Rahmen des IV. Know-how-Kongresses 2009 des Deutschen Demographie Netzwerks (ddn) am 23.10.09 in Köln.

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Lernen und Stress

67 Prozent aller Beschäftigten leiden laut Erwerbstätigenbefragung 2006 unter ständigen Störungen ihres Arbeitsflusses. Dass dadurch verursachter Stress effektives Lernen behindern und die Arbeitsleistung deutlich reduzieren kann, zeigen zahlreiche wissenschaftliche Studien. Im folgenden werden exemplarisch eine Studie zum Thema "Multitasking" und ein Tierversuch zu Auswirkungen von Stress auf die Lernfähigkeit vorgestellt:


Mutlitasking

Im Jahre 2001 untersuchten drei amerikanische Wissenschaftler im Autrag der US-Luftfahrtbehörde wie sich "Multitasking", also der ständige Wechsel zwischen verschiedenen Arbeitsaufgaben, auf die Arbeitsleistung auswirkt. Dafür wurden die Probanden in mehreren Versuchen mit Aufgaben unterschiedlicher Komplexität und Neuartigkeit konfrontiert. Gemessen wurde der Zeitbedarf für die Erfüllung der Aufgaben bei einer ständig wechselnden Bearbeitung der einzelnen Arbeitsaufgaben im Vergleich zu einer getrennten Bearbeitung der einzelnen Aufgaben. Die Tests wurden mit jungen Erwachsenen durchgeführt.

In allen Fällen benötigten die Versuchspersonen mehr Zeit zur erfolgreichen Lösung ihrer Aufgaben, wenn sie gezwungen waren, zwischen diesen hin-und-her zuspringen. Der Zeitverlust erhöhte sich mit zunehmender Komplexität der Aufgaben bzw. mit zunehmendem Grad der Neuartigkeit.

Da Neuartigkeit und Komplexität bestimmende Merkmale der Wissensarbeit sind, lässt sich daraus schließen, dass Multitasking tendenziell zu einer Verringerung der Effektivität von Wissensarbeit beiträgt. Für die Büroraumgestaltung bedeutet dies, dass dem konzentrierten Arbeiten eine mindestens ebenso hohe Bedeutung zukommt wie der Kommunikation.


Auswirkungen von Stress auf das Lernverhalten von Ratten

Im September 2009 veröffentlichten die Biologen Eduardo Dias-Ferreira und Nuno Sousa von der Universität in Braga (Portugal) die Ergebnisse einer Studie, die sich mit der Frage befasst, wie sich täglicher, starker Stress auf die Lernfähgkeit von Ratten auswirkt: Ratten die wiederholt starkem Stress ausgesetzt wurden, erzielten in anschließenden Lernversuchen deutlich weniger Erfolge als die Ratten der entspannt lebenden Kontrollgruppe. Sie griffen häufiger auf die Lösungen früherer Lernexperimente zurück, auch wenn diese in den neuen Versuchen offensichtlich nicht zum gewünschten Erfolg (= Futter) führten. Mit zunehmender Testdauer wurden die Unterschiede immer signifikanter.

Die beiden Forscher schließen daraus dass sich starker Stress negativ auf die Lernfähigkeit und Kreativität auswirkt und konnten dies in ihrem Rattenversuch auch anhand von Veränderungen im Gehirn der Versuchstiere nachweisen. Bei den gestressten Tieren waren Hirnbereiche deutlich zurückgebildet, die an zielgerichtetem Denken und logischen Entscheidungen beteiligt sind. Hirnregionen, die für die Ausbildung von Gewohnheiten zuständig sind, waren dagegen vergrößert.
Dieser Prozess scheint jedoch nicht unumkehrbar. Dies zeigen frühere Tierversuche und Studien mit Menschen. Ruhe (in Form von Meditation) und körperliche Bewegung können die verkleinerten Gehirnzonen wieder wachsen lassen.

Quellen:
Erwerbstätigenbefragung 2006 der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) und des Bundesinstituts für Berufsbildung (BiBB), 

Ph. D. Joshua Rubinstein, Ph. D. David Meyer und Ph.D. Jeffrey Evans. Executive Control of Cognitive Processes in Task Switching, veröffentlicht in Journal of Experimental Psychology - Human Perception and Performance, Vol 27. No.4, der American Psychological Association (APA).

dpa. Ständiger Stress führt zu Fehlentscheidungen, 30. Juli 2009 und
Jörg Blech. Die Heilkraft der Mönche, Der Spiegel 48/2008.

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  • Lernen und Stress
aus: Michal Brill, Susan Weidemann, Brill Associates – Disproving widespread myths about workplace design, published by Kimball International, 2001

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