Praxisbeispiele: privatwirtschaftliche Unternehmen
Unilever Deutschland, Hamburg
YOL 14/2009 – Schwerpunkt: Architektur/Flächenkonzept: Wenn heute von attraktiven Arbeitsplätzen die Rede ist, ist längst nicht mehr nur der einzelne Arbeitsplatz gemeint, sondern vielmehr ein ganzheitliches Gebäudekonzept, das für unterschiedliche Arbeitssituationen entsprechende räumliche Szenarien anbietet. Entscheidende Erfolgsfaktoren sind dabei eine gewinnende Architektur und ein wirtschaftliches Flächenkonzept. Dabei nehmen individuell gestaltete Sonderflächen eine immer wichtigere Rolle bei der Gebäudeplanung ein.
In der neuen Zentrale von Unilever Deutschland in der Hamburger Hafencity befinden sich jeder Etage zum Atrium hin gelegene offene Meeting-Points mit hoher Erlebnis- und Aufenthaltsqualität. Treppen und Verbindungsstege durch das Atrium hindurch schaffen Verbindungslinien und Plätze für Begegnungen.
Das Gebäude wurde von Behnisch Architekten entworfenen und bietet ca. 1.200 Beschäftigten Platz.
Architektur muss die Kommunikation fördern
"Im ehemaligen Unileverhaus wurde eine Kommunikation zwischen den einzelnen Funktionen nur bedingt gefördert", erläutert Martin Hass, Partner bei Behnisch Architekten. "Die Anlage der Büroflächen in Nachbarschaften um das Atrium herum schafft jetzt Transparenz und Möglichkeiten des Austausches."
Die Ausstattung des neuen Unilever Gebäudes zeigt weitere Aspekte auf, die kennzeichnend für moderne Bürogebäudeplanung sind. "Zur Steigerung der Flächeneffizienz und zur Schaffung eines vielfältigen kreativen Umfeldes geht die Entwicklung hin zur Mehrfachnutzung von Flächen", erläutert Bernd Fels von der Unternehmensberatung Quickborner Team. So ist zum Beispiel bei Unilever das Mitarbeiterrestaurant im Erdgeschoss nicht allein der Essensaufnahme vorbehalten. Stromanschlüsse an den Tischen sowie WLAN im ganzen Haus ermöglichen es, diese Fläche auch außerhalb der Mittagszeit für Meetings zu nutzen. Für Mitarbeiter, die nur sehr selten vor Ort sind, wurde ein Pool von 40 Desk-Sharing-Arbeitsplätzen eingerichtet und damit die Flächeneffizienz wirksam unterstützt.
Transparenz und flache Hierarchien
Offene Raumstrukturen liegen weiterhin im Trend und immer öfter wird auch ein Mix aus unterschiedlichen Büroraumtypen umgesetzt. Doch bedarf beides einer sorgsamen Umsetzung. "Mehr als zwei Büroraumtypen in einem Gebäudekonzept schränken in der Regel die Flexibilität und Modularität in der Flächennutzung ein. Die Öffnung von Raumstrukturen muss im Dienste der Arbeitsprozesse stehen und darf weder ein Freibrief für Flächenverdichtungen sein noch zu psychischer Überlastung führen", gibt Bernd Fels zu bedenken.
Bei Unilever ist man noch einen Schritt weitergegangen. "Open plan" für alle, heißt es jetzt im neuen Gebäude, wo die Mitarbeiter in Räumen mit Größen zwischen 250 bis 400 Quadratmeter arbeiten, Geschäftsführung eingeschlossen.
Das Feedback der Mitarbeiter auf die neue Arbeitssituation ist nach Angabend es Unternehmens insgesamt sehr positiv.

SICK AG, Waldkirch
YOL 13/2009 – Schwerpunkt Einrichtung: Bei der SICK AG führten
- Platzmangel in Büro und Labor,
- Lärm durch Gespräche und Besprechungen,
- Überlastung und Zeitdruck durch die Arbeitsmenge und
- ständiges Hin- und Herspringen zwischen unterschiedlichen Aufgaben
sowohl zu Behinderungen bei der operativen Arbeitsausführung als auch zu erhöhter Unzufriedenheit und Frust bei den Mitarbeitern. Als Symptome nannten die Mitarbeiter u.a. erhöhte Fehlerquoten und geringe Zeitpuffer. Insgesamt waren sich Führungskräfte und Mitarbeiter einig, dass die hohen alltäglichen Anforderungen auf Dauer eine Überforderung darstellten. Vermehrte Fluktuation in der Vergangenheit bestätigte dies. In Workshops wurden die identifizierten Gefährdungen ausführlicher betrachtet.
Wirksame Gegenmaßnahmen
Erste Maßnahmen zur Gefährdungsreduktion wurden eingeleitet. Durch einen Anbau an das bisherige Betriebsgebäude wurden die Arbeitsflächen erweitert. Die Mitarbeiter wurden in die Umgestaltung der bestehenden Flächen involviert und gestalteten ihre Arbeitsplätze selbst. Zusätzlich wurden platzsparende Maßnahmen erarbeitet – zum Beispiel bei der Archivierung von Akten, durch Entrümpelung und den Verzicht auf Winkelkombinationen.
Gegen den Lärm durch Gespräche und Besprechungen fanden die Mitarbeiter einfache und wirksame Maßnahmen. In die vorhandenen Großraumbüros wurden Trenn- und Stellwände eingefügt. Zwischen 8.00 Uhr und 10.00 Uhr morgens wurde eine "störungsfreie Arbeitszeit" eingeführt, in der die Kollegen den Kontakt untereinander auf ein Minimum beschränkten – wenn möglich sogar gänzlich ungestört arbeiteten.
Dem Zeitdruck, der Arbeitsmenge und dem Parallelmanagement wurde durch Umstrukturierung begegnet. Produktentwicklung und Grundlagen-Forschung wurden entkoppelt, Projekte entzerrt, teilweise ganz zurückgestellt.
Etwa ein halbes Jahr später wurden die Mitarbeiter nach ihren Meinungen zu den eingeführten Maßnahmen befragt. Die Ergebnisse:
- Je 50 Prozent der Befragten sagten, dass sich Arbeitsplatzsituation und subjektives Wohlbefinden verbessert haben.
- 78 Prozent waren der Meinung, dass sich die Zusammenarbeit positiv entwickelt, und
- 33 Prozent gaben an, dass sich die eigene Arbeitsqualität und die Arbeitsergebnisse verbessert hätten.
- 60 Prozent stellten fest, dass sich die Raumsituation verbessert hat, nur 11 Prozent waren der Meinung, diese habe sich verschlechtert.
- 50 Prozent fanden, dass die Lärmbelastung deutlich reduziert werden konnte, 11 Prozent fanden dies nicht.
- Zur Arbeitsmenge und zum Zeitdruck fanden 28 Prozent, dass sich die Situation verbessert habe, 17 Prozent gaben eine Verschlechterung an.

Santander Consumer Bank, Mönchengladbach
YOL 15/2008 – Schwerpunkt Einrichtung/Flächenkonzept: Hohe Flächeneffizienz bei hoher Raumqualität – diesen Ansatz verfolgt auch die Santander Consumer Bank in Mönchengladbach mit großzügigen Bereichen für Teamarbeit, Projekte, Präsentationen und Konferenzen.
So wird die Bürofläche effizient genutzt und gleichzeitig die Arbeitsplatzqualität durch zusätzliche Raumangebote gesteigert. Denn zusätzliche Raumangebote wie etwa informelle Kommunikationszonen fördern nicht nur den Gedankenaustausch zwischen Mitarbeitern. Sie tragen auch dazu bei, dass das Büro kein Ort bloßer Funktionalität ist, sondern zum Verweilen und Agieren einlädt und das Wir-Gefühl stärkt. Insgesamt wird bei der Santander Consumer Bank auf diese Weise eine doppelt so hohe Flächenwirtschaftlichkeit wie im deutschen Schnitt erreicht. Gerade für Unternehmen, die sich in la-Lagen von Großstädten ansiedeln, um ihre Attraktivität für qualifizierte Mitarbeiter zu erhöhen, zahlt sich Flächeneffizienz finanziell aus.
Vorgestellte Beispiele:
Unilever Deutschland, Hamburg:


- Bildquelle: Behnisch Architekten
SICK AG, Waldkirch:

- Bildquelle: Sick AG
Santander Consumer Bank,
Mönchengladbach:


- Bildquelle: Santander Consumer Bank




