Phänomen Lärm
Was ist Lärm?
Ein Geräusch wird zum einen durch seine Lautstärke (Schalldruck) charakterisiert und zum anderen durch seine Tonhöhe (Frequenz). Dabei werden Geräusche in einem Frequenzbereich zwischen 2000 und 5000 Hz bei gleichem Schalldruck subjektiv als wesentlich lauter empfunden als Geräusche unterhalb oder oberhalb dieses Frequenzbereiches.

Belästigender Lärm am Arbeitsplatz
Willi Schneider, Vorsitzender buero-forum, stellvertretender Vorsitzender Deutsches Netzwerk Büro
An Büroarbeitsplätzen ist der Lärm Störfaktor Nummer eins. Jeder vierte Arbeitnehmer leidet unter Lärm. Als belästigender Lärm bezeichnet man Schall, der das psycho-soziale oder körperliche Wohlbefinden stört und bei den Betroffenen ein Gefühl des Unbehagens auslöst. Damit behindert Lärm die Kommunikation, beeinträchtigt die Konzentration und macht häufig auch noch krank. Der Begriff belästigender Lärm lässt sich nicht objektiv definieren. Schallmessungen und vorgegebene Richtwerte geben lediglich einen Anhaltspunkt für den Grad der Belästigung. Denn der Mensch reagiert sehr subjektiv auf Lärm. Ob ein Geräusch als Belästigung empfunden wird oder nicht, hängt neben der Lautstärke von einer Reihe weiterer Faktoren ab. Maßgebend sind die Art des Geräusches und vor allem die Situation und die Einstellung der Betroffenen zur Lärmquelle. Es ist also wenig sinnvoll, mit Akribie Messdaten zu erheben und dabei die Gefühlsebene der Betroffenen außer Acht zu lassen. Die persönliche Einschätzung ist letztlich entscheidend, ob sich jemand durch Lärm belästigt fühlt. Beim konzentrierten Arbeiten am Bildschirm ist grundsätzlich jede Geräuscheinwirkung, die nicht von der arbeitenden Person selbst verursacht wird, als störend einzustufen. Als selbstverursachte Geräusche gelten nur das eigene Sprechen und dasjenige des Gesprächspartners sowie das eigene Tastaturgeräusch und Signalgeräusche (z.B. das Klingeln des eigenen Telefons). Der Störungsgrad ist besonders groß, wenn es sich um Sprechgeräusche handelt und diese – auch wenn nur teilweise – verstanden werden können.

Auswirkungen von Lärm
Lärm stört. Lärm stresst. Lärm stört die Konzentration. Nicht nur, aber auch im Büro. Und mit fehlender Konzentration schwindet auch die Qualität der Arbeit. Leistung wird reduziert oder wird fehlerhaft!
Eine Leistungsminderung von 20 - 30 % führen die Fachleute von REFA und VDI auf Konzentrationsverluste zurück. Und diese Annahmen werden jetzt durch eine Untersuchung der Forscher Dipl.-Psych., Dipl. Päd. Ch. A Sust und Prof. Dr. Ing. Lazarus bestätigt. Im Fachbericht FB 794 der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin beschäftigen sich die Wissenschaftler mit den „Auswirkungen von Geräuschen mittlerer Intensität auf simulierte Büro- und Bildschirmtätigkeiten unterschiedlicher Komplexität“
Im Ergebnis zeigt sich, dass bei zunehmender Komplexität der Aufgaben Geräusche mit relativ hoher Intensität und Informationshaltigkeit die Leistungen der Versuchspersonen deutlich beeinträchtigen. Höherer Zeitbedarf und eine höhere Fehlerhäufigkeit waren die Folge – aber auch ein gestiegenes Erholungsbedürfnis. Insgesamt lässt sich feststellen, dass sich die Aufwands-Ertragskalkulation verschlechtert, weil mehr Zeit durch häufigere Kontrolle, häufigeren Neubeginn der Arbeiten und durch umständlichere aber sichere Vorgehensweise investiert werden musste, um die Arbeitsziele zu erreichen. Dort wo komplexe Aufgaben zu erledigen waren, tendierten die Versuchspersonen sogar dazu, die Bearbeitung der Aufgaben unvollständig zu lassen oder gar ganz abzubrechen.

Kriterien zur schalltechnischen Beurteilung von Bildschirmarbeitsplätzen:
Quelle: W. Probst, Beurteilung und Minderung des Lärms an Bilschirmarbeitsplätzen im Büro und in der Produktion, Arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse Nr. 124 Bildschirmarbeit – Lärmminderung in Mehrpersonenbüros; Herausbeber: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Dortmund 2003
- Kriterium 1: Der von einer einzelnen, identifizierbaren Schallquelle verursachte anteilige Schallpegel sollte den von allen übrigen Quellen zusammen verursachten Schallpegel um nicht mehr als 4 dB(A) übersteigen. Andernfalls ist der Arbeitsplatz schalltechnisch als "ungünstig" einzustufen.
- Kriterium 2: Gespräche aus anderen Arbeitsbereichen und von außen sollen nicht verstanden werden können. Dies bedeutet, dass in Kleinbüros der anteilige Pegel der von außen eindringenden Sprechgeräusche um mindestens 5 dB(A), in Mehrpersonenbüros um mindestens 3 dB(A) unter dem vorhandenen Grundpegel liegen soll. Andernfalls ist der Arbeitsplatz in schalltechnischer Hinsicht als "ungünstig" einzustufen.
- Kriterium 3: Der von allen Quellen zusammen verursachte Schallpegel soll, wenn die betreffende Person nicht tätig ist, so niedrig wie möglich sein. Das Ergebnis dieser Beurteilung lässt sich aus der nachfolgenden Tabelle ablesen.
Die drei genannten Anforderungen sind auf alle Bildschirmarbeitsplätze in Büros anwendbar. Sie gelten für Großraumbüros, Mehrpersonenbüros, Einzelbüros und Kombibüros. Führen die Kriterien 1 bis 3 zu einer unterschiedlichen Einschätzung, so gilt die ungünstigere als maßgebend für die Beurteilung des Arbeitsplatzes.
Schalltechnische Beurteilung von Bildschirmarbeitsplätzen
| Beurteilungspegel am Arbeitsplatz | Lärmqualifizierung |
|---|---|
| bis 30 dB(A) | optimal |
| über 30 dB(A) bis 40 dB(A) | sehr gut |
| über 40 dB(A) bis 45 dB(A) | gut |
| über 45 dB(A) bis 50 dB(A) | in gewerblichem Umfeld akzeptabel |
| über 50 dB(A) bis 55 dB(A) | ungünstig, aber noch zulässig |
| über 55 dB(A) | Geräuschbelastung zu hoch |
Zum besseren Verständnis einige Beispiele: Das Grundgeräusch in der freien Natur beträgt 30 – 40 dB. Normale Sprache in einem Meter Entfernung 55 – 60 dB. Laute Sprache in einem Meter Entfernung 65 – 70 dB. Starker Straßenverkehr in ca. 7 m Entfernung 80 – 85 dB.
Dauerbelastungen über 65 dB führen zu Störungen des vegetativen Nervensystems, Dauerbelastungen über 80 dB zu Gehörschäden.
In Büros schaffen Telefon, Telefax, Drucker, Kopierer usw. eine vielfach als unangenehm empfundene Lärmkulisse. Gesundheitsgefahren liegen jedoch nicht allein in der Intensität des Schalls, sondern auch in seiner Zusammensetzung, seiner Häufigkeit und seiner Bandbreite. Für Unbeteiligte sind die Gespräche anderer die störendste Lärmquelle im Büro.





