Ältere Arbeitnehmer brauchen besseres Licht
Das Sehvermögen verändert sich mit zunehmendem Alter deutlich. Das zieht auch Konsequenzen für die Beleuchtung von Büro-Arbeitsplätzen nach sich. Wie diese aussehen? Kurz gesagt: mehr Lux und nach Meinung mancher Experten auch mehr Kelvin.

Mehr Lux (lx) – die Beleuchtungsstärke!
Die Lichtempfindlichkeit der Netzhaut lässt ab dem 40. Lebensjahr deutlich nach. Eine Ursache dafür ist der Rückgang der Zahl der „Zapfen“ genannten Rezeptoren, die für das Farbsehen zuständig sind. Am stärksten fällt dieser Verlust in der „Fovea“ ins Gewicht, also in dem Bereich der Netzhaut, der ausschlaggebend für das Erkennen feiner Unterschiede ist.
Damit diese feinen Unterschiede trotzdem erkannt werden können, benötigen ältere Mitarbeiter an ihren Arbeitsplätzen eine höhere Beleuchtungsstärke als jüngere Menschen. Der Arbeitsbereich sollte für sie statt mit den derzeit allgemein üblichen 500 lx mit mindestens 750 lx ausgeleuchtet werden. Die Teilflächen, in denen beispielsweise gedruckte Schriftstücke gelesen werden, sollten stärker (1.000 bis 1.500 lx) ausgeleuchtet werden.
Zum Vergleich: Sonnenlicht an einem trüben Sommertag erreicht Werte von 10.000 bis 30.000 lx. Beleuchtungskonzepte für biologisch wirksames Licht gehen meist bis 1.500 lx. Für medizinische Therapien zur Bekämpfung saisonal abhängiger Depressionen werden Tageslichtlampen mit mindestens 2.000 lx Leistung eingesetzt.
Mehr Kelvin (K) – die Farbtemperatur?
Ein zweiter Alterungseffekt betrifft die Linse des Auges: Linsenkern und Linsenrinde werden mit der Zeit immer dichter. Die Folge ist eine deutliche Trübung der Linse. Die Kontrastempfindlichkeit des Auges nimmt ab.
Über die Konsequenzen für die Beleuchtung von Büroarbeitsplätzen sind sich die Wissenschaftler noch uneins. Einige Experten empfehlen, an Arbeitsplätzen, die von älteren Mitarbeitern genutzt werden, neutrales Licht beziehungsweise Licht mit einem hohen Blauanteil einzusetzen. In den Teilbereichen des Arbeitsplatzes, an denen Unterlagen gelesen werden, sollte demnach neutralweißes Licht (3.300 bis 5.300 K) oder sogar tageslichtweißes Licht (> 5.300 K) genutzt werden.
Diese Tipps sind in jedem Fall wertvoll – auch für jüngere Personen. Denn intensives Licht mit hohem Blauanteil hat auch eine biologische Wirkung. Allerdings – und auch das gilt für alle Arbeitsplätze – sollte Licht am Arbeitsplatz individuell steuerbar sein.
Dieser Artikel wurde im Wesentlichen auf Basis folgender Publikation erstellt: F. G. Holz, A. Blankenage und H. E. Völcker, Normale Altersveränderungen im Sehapparat, erschienen in C. Tesch-Römer und H.-W. Wahl (Hrsg.), Seh- und Höreinbußen älterer Menschen, Darmstadt 1996
Als weitere Quellen wurde verwendet: Kleine Ergonomische Datensammlung, Herausgeber Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), verfasst von Prof. Dr. W. Lange und Dr. A. Windel, Copyright by TÜV-Verlag GmbH, www.tuev-media.de.





