Forschungsprojekte: Arbeitswelt
Strategien zur Arbeitsplatzgestaltung / Vorteile einer individuellen Gestaltung
- Untersuchungsfrage: Hat die Möglichkeit, Einfluss auf die Gestaltung des Arbeitsplatzes zu nehmen, messbare Auswirkungen auf das Wohlbefinden und die Produktivität der Beschäftigten?
- Durchführung / Studienleitung: Fakultät für Psychologie der Universität von Exeter (UK) in Zusammenarbeit mit dem universitätseigenen Beratungsinstitut Prism (Psychological Research into Identity and Space Management)
- Leitung: Dr. Craig P. Knight und Prof. S. Alexander Haslam
- Veröffentlichung: Juni 2010
Die im Folgenden beschriebenen Inhalte basieren auf den Ergebnissen von zwei Experimenten mit insgesamt 288 Teilnehmern.
Aus zahlreichen Untersuchungen ist bekannt, dass die Partizipation von Beschäftigten (= die Teilhabe an Entscheidungsprozessen) einen positiven Einfluss auf deren Identifikation mit dem Arbeitgeber, ihr Wohlbefinden und ihre Produktivität hat. Allerdings setzt sich die Mehrzahl der bisherigen Studien ausschließlich mit der Frage auseinander, wie sich die Möglichkeit zur Beeinflussung der Arbeitsinhalte (Aufgabe, Zeit und Ort der Erledigung, Führungsverhalten etc.) bemerkbar macht. Die Forscher der Universität von Exeter wollten daher wissen, ob auch die Partizipation der Arbeitnehmer bei der Gestaltung des Arbeitsplatzes ähnlich positive Wirkungen zeigen kann.
Um dies zu untersuchen, wurden in zwei unabhängigen Experimenten je vier verschiedene Arbeitsplatzkonstellationen "eingerichtet", in denen die Probanden dann eine Reihe von Aufgaben zu erfüllen hatten:
- in einem "Lean Office" (= funktionaler Arbeitsplatz mit einfacher und zweckmäßiger Einrichtung, ohne individuelle Komponente)
- an einem attraktiver gestalteten Arbeitsplatz (mit Pflanzen und Bildern dekoriert)
- an einem teilweise vom Probanden selbst gestalteten Arbeitsplatz (Hier stand eine Auswahl von Pflanzen und Bildern zur Verfügung. Die Probanden konnten selbst wählen, welche und wie viele Teile sie davon an ihrem Arbeitsplatz haben wollten.)
- an einem umgestalteten Arbeitsplatz (Die ursprünglich durch den Probanden vorgenommene Auswahl und Platzierung von Pflanzen und Bildern wurde von einem Versuchsleiter (Manager) verändert.)
Beide Experimente kamen zum selben Ergebnis: Je größer der Einfluss der Beschäftigten auf die Gestaltung des eigenen Arbeitsplatzes ist, desto zufriedener und motivierter waren sie. Sie identifizierten sich stärker mit Ihrem Arbeitgeber und fühlten sich sogar physisch wohler. Die Versuchspersonen, die einen attraktiven Arbeitsplatz vorfanden, waren zudem um 17% produktiver als diejenigen, die in einem „Lean Office“ arbeiteten. Wenn die Probanden den Arbeitsplatz selbst ausgestalten durften, erhöhte sich der Produktivitätsgewinn sogar auf 32%. Und selbst diejenigen, deren eigene Dekorationswahl nicht respektiert wurde, waren immer noch zufriedener als diejenigen, die einen ausschließlich nach Gesichtspunkten der Zweckmäßigkeit gestalteten Arbeitsplatz (Lean Office) vorfanden.
Alle beschriebenen Effekte zeigten sich unabhängig von Alter, Geschlecht und Hierarchieebene der Probanden.
Damit widersprechen die Untersuchungsergebnisse der im anglosächsischen Raum weit verbreiteten Vorstellung, dass Mitarbeiter in "Lean Offices" besonders produktiv seien. Auch die ökonomische Wirkung mancher Flächeneinsparungsmaßnahme sollte nach Überzeugung von Prof. S. Alexander Haslam hinterfragt werden. Nach seiner Einschätzung sind die Kosteneinsparungen, die mit „Lean Offices“ (z. B. durch kompakte Arbeitsplätze oder Desk-Sharing) erzielt werden können, oft weit geringer als der Produktivitätsverlust durch mangelnde Identifikation und geringeres Wohlbefinden der Beschäftigten. Er empfiehlt daher allen Unternehmen – unabhängig von ihrer Größe – das relativ preisgünstige Potential der Arbeitsplatzgestaltung zu nutzen. Sein Fazit lautet: "Das Bürodesign bestimmt nicht nur, ob der Rücken weh tut, es hat auch einen Einfluss darauf, wie die Menschen ihre Aufgaben bewältigen, wieviel Initiative sie zeigen und wie zufrieden sie mit ihrer Arbeit sind.“
Anmerkung des buero-forum: Beide Experimente wurden in Zellenstrukturen mit nur einem Arbeitsplatz durchgeführt. In einem Team- oder Open Space-Büro fallen die Effekte wegen der notwendigen Abstimmung im Kollegenkreis möglicherweise geringer aus. Auch lässt das Untersuchungsdesign keine Aussage über die Langzeitwirkung gut gestalteter Arbeitsplätze zu. Beides stellt jedoch nicht die Effekte an sich sondern höchstens die Stärke der Wirkung in Frage. Da diese in den Experimenten der Universität von Exeter mit einfachsten Mitteln (Pflanzen und Bilder) erzielt wurden, birgt eine ganzheitliche Arbeitsplatzgestaltung andererseits zusätzliche Potentiale, die in den beiden beschriebenen Experimenten wiederum nicht erfasst werden konnten. (Zum Effekt der Arbeitsplatzgestaltung auf die Produktivität der Mitarbeiter siehe auch die Ergebnisse des Office Excellence Check des Fraunhofer IAO.)
Die Forschungsergebnisse wurden veröffentlicht in
British Journal of Management unter dem Titel "Your Place or Mine? Organizational Identification and Comfort as Mediators of Relationships Between the Maagerial Control of Workspace and Employees' Satisfaction and Well-beeing"
Journal of Experimental Psychology: Applied unter dem Titel: "The Relative Merits of Lean, Enrichted, and Empowerd Offices: An Experimental Examination of the Impact of Workspace Management Strategies on Well-Being and Productivity"

Oxygenz
- Untersuchungsfrage: Wie würde die "Generation Y" gerne arbeiten?
- Auftraggeber / Durchführung: Johnson Controls
- Untersuchungszeitraum: Januar bis Februar 2010
Weltweit nahmen bis Februar 2010 insgesamt 6.728 Personen an einer Online-Befragung zu ihren Erwartungen an die Arbeit, Arbeitsplätze, technologischen Präferenzen und anderen Fragen rund um die Arbeitsgestaltung teil. 3.011 Personen waren Vertreter der Generation Y – im Alter zwischen 18 und 25 Jahren. Insgesamt 841 Befragte lebten in Deutschland.
Auf die Frage, welche Faktoren besonders kreativitätsfördernd sind, stellten die 18 bis 25-Jährigen folgende Reihenfolge auf: 1. Menschen im Umfeld, 2. Ambiente und Atmosphäre, 3. Bürotechnologie. Dies ist bemerkenswert, denn gerade die jungen Arbeitnehmer zeichnen sich durch eine große Affinität zu neuen Technologien aus.
Besonders geschätzt werden von der Gerneration Y Arbeitsplätze mit nahe gelegenen Einkaufsmöglichkeiten, Coffee Shops oder Restaurants. Geschätzt wird auch umweltfreundliches Verhalten des Arbeitgebers. Allerdings sind die 18 bis 25 hier weniger sensibel als viele ältere Arbeitnehmer. Deutlich sensibler sind diesbezüglich die 36- bis 45-Jährigen.
Bei der Arbeitsplatzgestaltung präferiert die junge Arbeitnehmergeneration helle und offene Arbeitsumgebungen. 59 Prozent bevorzugen einen klaren, reduzierten Stil mit zurückhaltenden Farben. 12 Prozent würden gerne lebhafte Farben an ihrem Arbeitsplatz sehen, 9 Prozent bevorzugen einen klassischen Stil.
In allen Ländern eher ungeliebt sind Arbeitsplätze, die mit Kollegen geteilt werden müssen. In Deutschland wünschen sich 87 Prozent aller Vertreter der Generation Y einen persönlich zugewiesenen Arbeitsplatz. Deutliche Unterschiede gibt es bei der Bedeutung der Entlohnung. Für die deutschen Nachwuchskräfte ist sie ein wichtiges Entscheidungskriterium. Im internationalen Durchschnitt gewinnt dieses Kriterium erst bei den über 36-Jährigen eine vergleichbar hohe Bedeutung.
Die Dokumentation können unter www.globalworkplaceinnovation.com heruntergeladen werden.

DGB-Index "Gute Arbeit" 2009
- Auftraggeber: Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB)
- Durchführung: TNS Infratest Sozialforschung GmbH
- Untersuchungszeitraum: 2009
In einer jährlichen, schriftlichen Befragung werden seit dem Jahr 2007 Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in Deutschland gefragt, wie sie ihre Arbeitssituation beurteilen. Im Jahr 2009 zeichneten mehr als 6000 antwortende Personen ihre Arbeitssituation wie folgt:
12 Prozent der Befragten beurteilten ihre Arbeit als gut. 55 Prozent bewerteten ihre Arbeit als mittelmäßig, 33 Prozent sprachen von schlechter Arbeit. Unter den Unzufriedenen erwägt knapp die Hälfte, ihren Arbeitsplatz zu wechseln. Bei den Beschäftigten, die ihre eigene Situation als gut beschreiben, denken dagegen nur bei 5 Prozent über eine Veränderung nach.
Grund zur Besorgnis liegt in der Tatsache, dass nur jeder zweite Beschäftigte glaubt, seine Tätigkeit bis zum Rentenalter ausüben zu können. Mögliche Ursachen sind neben schwerer körperlicher Arbeit in zunehmendem Maße Faktoren, die speziell Arbeitnehmer im Büro treffen, wie z.B. Hektik und andauernder Zeitdruck.
Unter denjenigen, die ihre Arbeit als schlecht empfinden klagen 62 Prozent unter Zeitdruck und 22 Prozent sogar über schlechte oder unwürdige Behandlung. Frei von Hektik sind selbst diejenigen mit bessern Arbeitsbedingungen nicht. Bei den Arbeitnehmern mit einer durchschnittlichen Arbeitsqualität klagt immerhin noch jeder vierte über Zeitdruck und selbst bei den Personen mit guter Arbeit berichtet noch jeder zehnte von Zeitdruck.
Der komplette Report mit Details, weiteren Ergebnissen und früheren Berichte kann unter www.dgb.de heruntergeladen werden.

Information Work 2009
- Durchführung: Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO)
- Projektart: OFFICE 21-Studie
- Stand der Auswertung: Mai 2009 (Interviewzeitraum Mai bis Dezember 2008)
Die Studie beschäftigt sich mit der Frage, welche Wirkungszusammenhänge zwischen der Produktivität von Wissensarbeit (engl.: information work) und der Informations- und kommunikationstechnischen Ausstattung der Wissensarbeitsplätze bestehen. Dabei standen folgende Fragen im Zentrum:
- Welche Art der Ausstattung ist für welchen Typ von Wissensarbeit charakteristisch?
- Wie können unterschiedliche Technologien die Informationsarbeit unterstützen?
- Wie intensiv werden die einzelnen IT-Anwendungen genutzt?
- Wie effizient sind diese und lassen sich generelle Wirkzusammenhänge aufzeigen?
Die Untersuchung erfolgte in Form einer webbasierten Langzeit-Erhebung. Zwischen Januar 2008 und Dezember 2008 nahmen 1.020 Personen an der Untersuchung teil. Alle nachfolgend genannten Aussagen basieren auf einer Zwischenauswertung dieser Stichprobe.
Die Verantwortlichen des IAO konnten auf Basis dieser Stichprobe vier verschiedene Typen von Wissensarbeit(ern) ermitteln, die sich hinsichtlich der Neuartigkeit der Aufgaben, der Komplexität dieser Aufgaben und der Autonomie (den Freiheitsgraden) bei deren Bearbeitung unterscheiden. Über alle Gruppen hinweg zeigte sich ein signifikanter, postiver Zusammenhang (Korrelation r = 0.574, p > 1%) zwischen der "Prozess-Performance" (Arbeitsleistung) und der "IuK-Qualität". Da viele Untersuchungsteilnehmer die Qualität der ihnen zur Verfügung stehenden Technologien als (teilweise) unzureichend oder veraltet einstuften, dürfte sich daraus deutliches Potential für eine Steigerung der Effizienz der Arbeit ergeben. Differenziert nach den vier Typen der Wissensarbeit ergibt sich folgendes Bild: Je mehr Autonomie den Betroffenen zugestanden wird, desto besser ist auch die Qualität der zur Verfügung stehenden IuK-Ausstattung und desto höher ist die Arbeitsleistung.
Die Stuttgarter Forscher schließen daraus, dass Autonomie und die IuK-Qualität ebenso wie die Einrichtung von Büroräumen (siehe dazu "Office-Excellence-Check") sowohl zu mehr Wohlbefinden als auch zu mehr Leistung beitragen können.
Die Dokumentation der Ergebnisse kann unter www.iw.web-erhebung.de bestellt werden. Dort ist auch weiterhin eine Teilnhame an der Langzeitstudie – mit vergleichender Auswertung der eigenen Ergebnisse – möglich.
Informationen zum Thema Wissensarbeit und der Gestaltung von Wissensarbeitsplätzen im Büro finden Sie in den gleichnamigen Kapiteln.

Office-Excellence-Check
Ermittlung ganzheitlicher Büro-Qualität
- Durchführung: Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO)
- Auftraggeber: Initiative Neue Qualität der Büroarbeit (INQA-Büro)
- Stand der Auswertung: September 2007
Mittels eines webbasierten Selbstbewertungs-Systems beurteilen Beschäftigte ihre eigene Arbeits- und Bürosituation. Bisher wurden 4.500 Fragebogen ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Qualität des Office-Designs und der Office-Performance.
Dr. Jörg Kelter, verantwortlicher Studienleiter beim IAO, erläutert den Zusammenhang folgendermaßen " Die Zwischenauswertung hat ergeben, dass die durchschnittliche Produktivitätsrate bei rund 60 Prozent liegt. Das deutet darauf hin, dass da noch ordentlich Luft nach oben ist. Oder anders gesagt: Es gibt offensichtlich genügend Potenziale, die noch nicht ausgereizt sind. Zu den wichtigsten Faktoren, die diese Rate beeinflussen, zählt eine hohe Gestaltungsqualität des Büros – sowohl unmittelbar am Schreibtisch, aber auch im weiteren Arbeitsplatzumfeld und im gesamten Bürohaus. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Frage, wie gut jede Art von Kommunikationsarbeit unterstützt wird, also wie spontan, schnell und problemlos man mit Kollegen kommunizieren, sich mit ihnen adhoc zusammensetzen und ohne lange Umwege austauschen kann. Und wir können sagen: Je qualitätsvoller ein Büro in dieser Hinsicht geplant undgestaltet ist, desto höher fällt auch die Produktivitätsrate aus. Steigerungen von bis zu 36 Prozent sind hier möglich."
Weitere Ergebnisse können unter www.oexc.web-erhebung.de heruntergeladen werden. Unter diese Adresse ist auch eine Teilnahme an der Befragung möglich.




