
Forschungsprojekte: Arbeitswelt
Ultima Office
Büro der Zukunft
- Durchführung: Koelnmesse, Z_punkt
- Auftraggeber: Koelnmesse
- Stand der Auswertung: Oktober 2008
Teil des Rahmenprogramms der Orgatec 2008 war die Marktforschungsaktion "Ultima Office". 1.800 Menschen aus aller Welt beantworteten vor Messebeginn im Internet oder an speziellen Terminals während der Orgatec Fragen zu ihren Erwartungen zum Büro der Zukunft und persönlichen Stilpräferenzen. Weitere 400 Messebesucher formulierten unter "My Ultima Office" Videostatements mit ihre individuellen Vorstellungen künftiger Entwicklungen.
Die Auswertung des kollektiven Think Tank-Prozesses ergab, dass das meist gewünschte Traumbüro der Zukunft ein "naturnahes Zugbistro in der Kreativökonomie" wäre. Darunter ist zu verstehen, dass das Büro der Zukunft einen flexiblen und mobilen Arbeitsort darstellen soll, der dennoch eine gewisse Planbarkeit der Arbeitszeiten und -tätigkeiten ermöglicht. Zudem soll der Arbeitsplatz sehr offen und kommunikativ sein. Eine multisensuale Arbeitsumgebung, die Platz für Individualität bietet, wird von den Befragten bevorzugt.
Hinsichtlich der Anforderungen, die in Zukunft an Arbeitnehmer gestellt werden, gehen die Befragten von den folgenden Entwicklungen aus: 53% der Befragten erwarten eine Zunahme von flexiblen Arbeitszeiten bei wechselnden Teams. 78% glauben, dass Stress am Arbeitsplatz zunehmen wird. 68% erwarten, dass Unternehmen in Zukunft stärker auf die Selbstorganisation und das eigene Engagement der Mitarbeiter setzen werden.
In den Videobotschaften wurde bemerkenswert häufig der Wunsch nach offenen Räumen geäußert. Solche Open Spaces sollten nach Vorstellung der Orgatec-Besucher viele unterschiedliche Zonen wie Arbeitsbereiche, Kommunikations- und Kaffeeecken, Sport- oder sogar Schlafbereiche bieten. Auch naturnahe Büros mit vielen Pflanzen, Verbindung zur Natur oder mit Außenbereichen für die Arbeit im Freien stehen auf der Wunschliste weit oben, genauso wie nachhaltige und gesundheitsförderliche Büros. Viele Teilnehmer wünschten sich außerdem Büros mit Wohnzimmeratmosphäre, bei denen Wohlfühlen und Gemütlichkeit groß geschrieben wird.
Ausgewählte Videostatements finden Sie unter www.orgatec.de/diemesse/zusammenfassung.php.
Die Gesamtdokumentation des Forschungsprojektes wird voraussichtlich im April 2009 als Buch veröffentlicht werden.

Kreativität und Gesundheit im Arbeitsprozess
Bedingungen für eine kreativitätsförderliche Arbeitsgestaltung im Wirtschaftsleben
- Autoren: Dr. Britta Herbig, PD Dr. Jürgen Glaser, Pipl.-Psych. Jennifer Gunkel – Technische Universität München, Lehrstuhl für Psychologie
- Herausgeber: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)
- Veröffentlichung: 2008
Ausgehend von der These, dass in der heutigen Arbeitswelt die Fähigkeit zur Innovation eine zentrale Voraussetzung für den Unternehmenserfolg darstellt, wurde untersucht, welche Arbeitsplatzbedingungen dazu führen, dass Mitarbeiter neue, nützliche Ideen produzieren und wie sich diese Arbeitsplatzbedingungen auf die Gesundheit der Mitarbeiter auswirken. Die umfangreiche Studie beinhaltet neben der Auswertung internationaler Forschungsprojekte, Interviews, Fragebogenstudien und Ergebnissen einer Expertentagung best-practice Beispiele.
Als wesentliche kreativitäts- und gesundheitsfördernde Faktoren identifizierten die Autoren:
- Autonomie (bezüglich Ort, Zeit und Inhalten)
- Anforderungsvielfalt
- kreative Selbstverwirklichung
- Teamklima, Kooperation und Kommunikation
Weitere Informationen und einen Link zum Volltext der Studie finden Sie unter www.baua.de/nn_72204/de/Publikationen/Fachbeitraege/F1961.html__nnn=true
Eine Zusammenfassung können Sie hier herunterladen.
Offene Büroraumkonzepte aus arbeitsmedizinischer Sicht
Originaltitel: "Should Health Service Managers Embrace Open Plan Work Environments? A Review"
- Durchführung: Dr. Vinesh G. Oommen – Institute of Health and Biomedical Innovation an der
Queensland University of Technology, Mike Knowles – Australian College of Health Service Executives, Isabella Zhao – Institute of Health and Biomedical Innovation an der Queensland University of Technology, Australien - Stand der Auswertung: Dezember 2008
Die Studie widmet sich der Frage, welche negativen Effekte die Arbeit in offenen Büroräumen auf die Beschäftigten haben kann. Dafür werteten die australischen Gesundheitsexperten im Rahmen einer Sekundäranalyse 59 Studien und Fachbeiträge aus 30 Jahren aus und identifizierten so häufig auftretende Problemfelder:
- Mangel an Privatheit – durch ständige Sicht- und Hörbarkeit und einem daraus entstehenden Gefühl des Überwachtseins
- Ablenkung – durch schlechte akustische Bedingungen (z. B. durch informationshaltigen Lärm) und die fehlenden Rückzugsmöglichkeiten
- Fehlen des persönlichen Bezugs durch einheitliche Gestaltung aller Arbeitsplätze (fehlende Möglichkeit zur "Aneignung" von Arbeitsplätzen)
Oommen, Knowles und Zhao verweisen darauf, dass der Umzug in offene Räume in einigen der untersuchten Fälle auch zu mehr oder zumindest gleich bleibender Zufriedenheit der Mitarbeiter führte. Sie plädieren dennoch für einen sensibleren Umgang des Managements (und der Arbeitsmediziner) mit den physischen und sozialen Auswirkungen der Arbeit in Großraumbüros. Außerdem verweisen die Forscher auf die positiven Effekte einer frühzeitigen Integration der betroffenen Mitarbeiter in den Planungsprozess.
Die Veröffentlichung erfolgte in Asia Pacific Journal of Health Management 2008; 3: 2
Aufgrund der unterschiedlichen Basis und Entstehungszeiträume der ausgewerteten Studien und Fachbeiträge ist die Analyse von Oommen, Knowles und Zhao nicht geeignet, um daraus ein grundsätzliches Werturteil zu oder gegen offene Büroräume abzuleiten. Sie liefert jedoch wertvolle Hinweise auf sensible Gestaltungsthemen wie die Raumakustik oder die Flächenplanung.

Engagement Index Deutschland 2008
Entwicklung, Ursachen und Auswirkungen der emotionalen Bindung von Mitarbeitern an ihren Arbeitgeber
- Durchführung: Gallup GmbH, Potsdam
- Auftraggeber: Koelnmesse
- Stand der Auswertung: November/Dezember 2008
Die deutsche Wirtschaft leidet nicht nur unter der aktuellen Finanzkrise, sondern – und das seit Jahren mit zunehmender Tendenz – auch an einem geringen Engagement-Niveau vieler Mitarbeiter. Nur 13 Prozent aller Arbeitnehmer über 18 Jahren fühlen sich in hohem Maße emotional an ihren Arbeitgeber gebunden. 67 Prozent empfinden nur noch eine geringe Bindung, 20 Prozent haben gar bereits innerlich gekündigt. Im internationalen Vergleich belegt Deutschland damit einen Rang in der unteren Hälfte der untersuchten Länder.
Die Folgen sind beträchtlich und betriebswirtschaftlich messbar: Mitarbeiter mit einer geringen oder ohne emotionale Bindung wiesen im vergangenen Jahr durchschnittlich zwei beziehungsweise vier Fehltage mehr aus als ihre hochmotivierten Kollegen. Nach Berechnungen von Gallup entstehen damit einem Unternehmen mit 1.000 Mitarbeitern jährliche Mehrkosten in Höhe von 485.000 Euro. Daraus ergaben sich nach Berechnungen des Instituts im Jahr 2008 volkswirtschaftliche Gesamtkosten in Höhe von 81,2 und 109 Milliarden Euro.
Auffällig ist, dass die Untersuchung, die seit dem Jahr 2001 auf Basis von zwölf Fragen zum Arbeitsplatz und -umfeld durchgeführt wird, keine Wechselwirkung zur gesamtwirtschaftlichen Lage ausweist. Mitarbeiter sind offensichtlich nicht motivierter oder demotivierter, wenn es ihrem Unternehmen gut geht oder wenn sie eventuell sogar um ihren Arbeitsplatz fürchten müssen. Besonders nachhaltig zeigt sich geringes Engagement im direkten Umgang mit Kunden. 66 Prozent der hochmotivierten Mitarbeiter mit direktem Kundenkontakt stimmten der Aussage "Die Erfüllung der Kundenwünsche und -bedürfnisse bestimmt mein tägliches Handeln", zu. In der Gruppe der Mitarbeiter ohne emotionale Bindung an ihren Arbeitgeber konnten dies nur noch 35 Prozent der Personen mit direktem Kundenkontakt für sich bestätigen.
Die Ursachen sieht Gallup nicht in einer grundsätzlichen Verweigerungshaltung der Mitarbeiter sondern vielmehr in der Personalführung. Denn 72 Prozent aller Beschäftigten würden auch dann weiter arbeiten, wenn Sie genügend Geld hätten, ein finanziell sorgenfreies Leben ohne bezahlte Tätigkeit zu führen. Dafür klagen viele Mitarbeiter über mangelndes Gehör ihrer Vorgesetzten sowie fehlendes Lob und fehlende Ansprechbarkeit.
Die Chance, bisher ungenutztes Leistungspotential zu fördern, ist folglich erheblich. Und wie der Office-Excellence-Check gezeigt hat, können dazu neben kommunikativen und organisatorischen Maßnahmen auch Investitionen in ein optimiertes Arbeitsumfeld einen erheblichen Beitrag leisten.
Für den Gallup Engagement Index Deutschland wurden von Ende Oktober 2008 bis Ende November 2008 2.000 Arbeitnehmer ab 18 Jahre telefonisch interviewt. Die zwölf Fragen (Q12®) in englischer Sprache finden Sie hier.

Erfolgsfaktor Unternehmenskultur
Einfluss der Unternehmenskultur auf Mitarbeitermotivation und Unternehmenserfolg
- Durchführung: Psychonomics AG in Kooperation der Universität Köln
- Auftraggeber: Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS)
- Veröffentlichung: 2008
Untersucht wurde der Zusammenhang zwischen Unternehmenskultur, der Mitarbeitermotivation und dem Unternehmenserfolg. Es zeigte sich, dass das Engagement der Mitarbeiter in sehr hohem Maße von der erlebten Unternehmenskultur abhängt (Korrelationsfaktor r = 0,87) und gleichzeitig ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Mitarbeitermotivation und dem Unternehmenserfolg besteht (r = 0,32).
Gleichzeitig konnte nachgewiesen werden, dass die verschiedenen Aspekte der Unternehmenskultur gemeinsam bis zu 31 Prozent des Unternehmenserfolges erklären.
Als besonders starke Faktoren erwiesen sich die Schaffung von Teamgeist, das Gefühl der Zugehörigkeit zum Unternehmen sowie die erlebte Wertschät-zung des Mitarbeiters.
Die Ergebnisse der Studie wurden exklusiv in der Fachzeitschrift "personalmagazin" veröffentlicht.
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