Forschungsprojekte: Ergonomie
Auswirkungen von Bewegungsmangel
Sekundäranalyse zu Folgen langen Sitzens und geeigneten Gegenmaßnahmen
- Durchführung: Elin Ekblom-Bak (Karolinka Institut, Stockholm), Mai-Lis Hellénius (Karolinska Institut, Stockholm), Björn Ekblom (GIH – Swedish School of Sport and Health Siences, Stockholm)
- Veröffentlichung: Februar 2010
Die Forscher analysierten eine Reihe einschlägiger Forschungsergebnisse aus England, den USA und Australien zu den Zusammenhängen zwischen langen Phasen des Sitzens und Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Fettleibigkeit (Anmerkung des buero-forum: Prof. Dr. Ingo Froböse, Deutsche Sporthochschule Köln, spricht in diesem Zusammenhang auch von einem "Sitzbauch").
Alle Forschungsprojekte konnten einen positiven Zusammenhang zwischen langem Sitzen bzw. mangelnder Bewegung und einem höheren Krankheitsrisiko nachweisen. So konnten beispielsweise die Australischen Forscher D.W. Dunstan, J. Salmon und N. Owen nachweisen, dass sich für Frauen das Risiko, an Diabetes zu erkranken, um 26 % erhöht, wenn sie täglich eine Stunde länger sitzen.
Die Mehrzahl der ursprünglichen Untersuchungen wies den Zusammenhang zwischen den Krankheitsrisiken und der Sitzdauer anhand des Fernsehkonsums ihrer Probanden und Probandinnen nach. Die Stockholmer Forscher weisen in ihrer Auswertung aber auf ein ganz anderes Risiko hin: Lange Phasen des Sitzens am Arbeitsplatz.
Diese sind deshalb von besonderer Bedeutung, weil die Untersuchungen auch zeigten, dass nicht nur die Sitzdauer ein kritischer Faktor ist, sondern ebenso das Fehlen von Unterbrechungen.
Ekblom-Bak, Hellénius und Ekblom weisen darauf hin, dass regelmäßige Unterbrechungen der Sitzphasen eine höhere gesundheitsschonende Wirkung zeigten, als ausgedehnter Ausgleichssport in der Freizeit.
Probanden, die sich mehr bewegten und ihre Sitzphasen regelmäßig unterbrachen, waren signifikant seltener fettleibig, und hatten bessere Lipid- und Glukosewerte.
Die Empfehlung der Forscher für alle Büro-Arbeiter lautet daher: Alle 45 Minuten kurz aufstehen und ein paar Schritte gehen.
Hinweis des buero-forum: Eine geeignete Büroraumplanung kann regelmäßige Bewegung forcieren. Sitz-Steh-Arbeitstische und andere Arbeitsplätze, an denen auch im Stehen gearbeitet werden kann, sowie Bürostühle, die dynamisches Sitzen erlauben, bringen zusätzliche Bewegung in die längeren Arbeitsphasen.
Die Forschungsergebnisse von Elin Ekblom-Bak, Mai-Lis Hellénius und Björn Ekblom wurden unter dem Titel "Are we facing a new paradigm of inactivity physiology?" in dem British Journal of Sports Medicine vom 4. Februar 2010 veröffentlicht.

Einfluss von Raumformen auf Befinden, Gesundheit und Zufriedenheit der Mitarbeiter
SBiB-Studie (Schweizerische Befragung in Büros)
- Konzeption und Durchführung: Hochschule Luzern, Fachrichtung Technik und Architektur in Zusammenarbeit mit dem Staatssekretariat für Wirtschaft SECO
- Projektleitung: Sibylla Amstutz
- Veröffentlichung: April 2010
In einer zweistufigen schriftlichen Erhebung wurden 116 schweizerische Unternehmen und 1.230 Beschäftigte befragt. Im Fokus der Untersuchung standen Fragen wie: Hat der Bürotyp einen Einfluss auf die Beurteilung der Umgebungsfaktoren (Licht, Luft, Akustik, etc.)? Haben Bürotyp und Lüftungsart einen Einfluss auf die Gesundheit der Beschäftigten? Welche Zusammenhänge bestehen zwischen den Arbeitsbedingungen und der Gesundheit bzw. der Zufriedenheit der Mitarbeiter?
Die Konzentration kommt an vielen Büroarbeitsplätzen zu kurz
Zunächst wurde die aktuelle Arbeitsplatzsituation und die Zufriedenheit der Mitarbeiter erfasst. Als wichtigstes Kriterium für einen guten Arbeitsplatz nannten die Befragten die "Möglichkeit, sich zu konzentrieren". In der Praxis scheint dies aber oft nicht zu funktionieren. (Der Erfüllungsgrad der Anforderungen erhielt nur einen durchschnittlichen Wert.) Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen der Lage der Beschäftigten in unterschiedlich großen Räumen. Die Beschäftigten in Einpersonenbüros sahen die Anforderung noch zu rund 70 Prozent erfüllt, die Beschäftigten in Zweierbüros schon nur noch zu 56 Prozent und diejenigen, die mit mehr als 50 Personen in einem Raum arbeiten, war nur noch rund ein Viertel mit den gegebenen Möglichkeiten zufrieden.
An zweiter und dritter Stelle der Anforderungen an den persönlichen Arbeitsplatz stehen eine "ausreichende Schreibtischoberfläche/Ablagefläche" und der "Komfort des Mobiliars am Büroarbeitsplatz". Mit beiden Kriterien zeigten sich die Befragten – unabhängig von der jeweiligen Raumform – überwiegend zufrieden.
Die Ausstattung der Arbeitsplätze ist eigentlich gut – aber häufig fehlt Platz
Tatsächlich bewerteten zwei Drittel aller Befragten die Einrichtungs- und Ausstattungsverhältnisse als angenehm. Knapp ein Drittel stufte die Gegebenheiten als durchschnittlich ein. Am häufigsten bemängelt wurden Licht- und Platzverhältnisse. Auch hier galt wieder: Je mehr Personen in einem Raum arbeiten, desto größer war die Unzufriedenheit. Das korrespondiert mit der Einschätzung des Leistungsvermögens. Generell waren die Beschäftigten in kleinen Zellenbüros zuversichtlicher, an ihren Arbeitsplätzen produktiv sein zu können, als die Kollegen in größeren Büroeinheiten. Kleinere Büroräume sind bei den Beschäftigten allgemein beliebter.
Wie zahlreiche andere Studien bestätigte die Befragung der Hochschule Luzern die "herausragende Bedeutung" von Störungen durch Hintergrundgespräche und Telefonate anderer. 50,5 Prozent der Beschäftigten fühlen sich durch diese beeinträchtigt. Naturgemäß gilt auch hier, dass der Anteil der stark beeinträchtigten Personen um so größer ist, je größer der Raum ist. Wobei die Ergebnisse vermuten lassen, dass sich die Wirkung mit zunehmender Personenzahl nicht linear erhöht. Vielmehr ist ab einer bestimmten Raumgröße (hier 16 bis 50 Arbeitsplätze) nur noch ein leichte Erhöhung der Beeinträchtigung zu beobachten, wenn zusätzliche Arbeitsplätze hinzukommen.
Die Arbeitszufriedenheit in großen Büroräumen ist geringer – das Wohlbefinden sinkt
Auch auf die Arbeitszufriedenheit hat die Raumgröße offensichtlich einen signifikanten Einfluss. Durchschnittlich bezeichneten sich 82 Prozent aller Befragten als "ziemlich zufrieden", "sehr zufrieden" oder "außerordentlich zufrieden". Bei den Personen mit einem Einpersonenbüro tun dies sogar mehr als 90 Prozent. Bei Personen, die in Bürogrößen von 16 bis 50 Personen arbeiten, waren nur noch knapp drei Viertel wirklich zufrieden. (Anmerkung: Auch hier zeichnet sich bei größeren Raumformen wieder eine leichte Verbesserung der Ergebnisse ab.)
Als Indikatoren für die Gesundheit wurden sogenannte Sick-Building-Symptome (Müdigkeit, Einschlafschwierigkeiten, Jucken und Brennen der Augen, erkältungsähnliche Symptome, etc.) und muskuloskeletale Beschwerden (Rücken-, Nacken-, Schulterschmerzen, Beschwerden in Gelenken etc.).
Das am häufigsten genannte Sick-Building-Syndrom ist "Müdigkeit". 38,7 Prozent aller Beschäftigten fühlten sich von ihr betroffen. Auch hier zeigte sich wieder eine Zunahme bei Personen, die in größeren Raumformen arbeiten.
Muskel-Skelett-Beschwerden kosten Produktivität
Bei den Beeinträchtigungen des Muskel-Skelett-Apparats sind Beeinträchtigungen des Rückens, der Schultern und des Nackens weit verbreitet. Zwischen 50 und 68 Prozent der Befragten sind betroffen. Einen negativen Einfluss auf ihre Arbeitsleistung sehen dadurch jeweils rund 25 bis 30 Prozent negativ. 10 bis 12 Prozent ihrer Produktivität gehen nach Einschätzung der Betroffenen so verloren. Von Beschwerden im Bereich der Hände/Handgelenke sind "nur" rund 30 Prozent der Beschäftigten betroffen. Allerdings steht diese Beschwerdeart nach Wahrnehmung der Betroffenen in direktem Zusammenhang mit der Leistung. Schmerzen an Händen oder Handgelenken führen fast immer zu Beeinträchtigungen der Arbeit.
(Anmerkung: Über den Zusammenhang zwischen muskuloskeletalen Beschwerden und Raumgrößen machen die Autoren der Studie keine Aussage. Dies lässt vermuten, dass kein signifikanter Zusammenhang nachgewiesen werden konnte.)
Arbeitnehmer in größeren Räumen sind häufiger krank
Deutlich war dagegen wieder der Zusammenhang zwischen der Raumart und den Abwesenheitstagen. Während bei den Personen, die alleine in einem Büro arbeiten, jeder Zweite innerhalb eines Jahres zumindest einmal zuhause blieb, waren es in Mehrpersonenbüros schon gut 60 Prozent, in Büroräumen mit mehr als 16 Personen blieben rund 70 Prozent der Beschäftigten zumindest einmal im Jahr zu Hause. (Anmerkung: Ohne eine ergänzende Information über die Abwesenheitsdauer lässt dieses Ergebnis jedoch keine Bewertung zu. Es ist durchaus möglich, dass Mitarbeiter in größeren Büroeinheiten eher dazu neigen, kleinere Krankheiten schnell auszukurieren und dadurch das Phänomen des "Präsentismus" (= Anwesenheit ohne arbeitsfähig zu sein) und Ansteckungen von Kollegen vermeiden.)
Aber! – Ein Fazit des buero-forum:
Die SBiB-Studie zeigt einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Raumform bzw. Raumgröße einerseits und Zufriedenheit und Wohlbefinden der Beschäftigten andererseits. Allerdings lässt die Befragungsart (schriftliche Befragung einer gewichteten Zufallstichprobe – ohne Begehung vor Ort) keine Rückschlüsse auf die tatsächliche Qualität der Arbeitsplätze und Umgebungsfaktoren zu.
Möglicherweise würden die Ergebnisse nach einer Optimierung der Arbeitsplatzgestaltung in Gruppen- und Großräumen weniger deutlich ausfallen. Exemplarisch seien hier schallschirmende Maßnahmen zur Erhöhung der Privatheit und Reduktion der Sprachverständlichkeit genannt.
Die Forschungsergebnisse der Hochschule Luzern belegen allerdings erneut, dass größere Büroformen bei Arbeitnehmern vergleichsweise unbeliebt sind. Umso wichtiger ist es, Arbeitsplätze in Gruppen- und Großraumbüros sorgfältig zu planen und den Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, ihre Arbeitsbedingungen selbst mitzugestalten bzw. zu beeinflussen. (Siehe dazu auch die Empfehlungen zur Arbeitsplatzgestaltung in der buero-forum Fachschrift Nr. 10 "Kreativität und Gesundheit".)
Der Dokumentationsband zur Studie mit weiteren interessanten Ergebnissen kann unter www.seco.admin.ch/dokumentation/publikation unter "Studien und Berichte" heruntergeladen werden.
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> weitere Forschungsprojekte:
- Ausstattung von
Büroarbeitsplätzen- BüroEffizienz
- Ergonomische Untersuchung
besonderer Büroarbeitsstühle- Evaluation der EU-Bildschirm-
arbeitsrichtlinie- Nutzen der Steh-Sitz-Dynamik




