Forschungsprojekte: Ergonomie
Ausstattung von Büroarbeitsplätzen
Arbeitnehmerbefragung zur Zufriedenheit mit Technik und Möblierung
- Durchführung: monster.de
- Veröffentlichung: Februar 2009
Gut ausgestattete Arbeitsplätze sind wichtig für die Gesundheit, Motivation und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter. Doch offensichtlich sieht der Büroalltag in Deutschland, Österreich und der Schweiz vielfach anders aus. Das Stellenportal monster.de fragte im Januar 2009 die Nutzer seiner Internetseite, wie diese die Qualität ihrer aktuellen Büroarbeitsplätze einschätzen. An der nicht-repräsentativen Befragung nahmen 1.188 Arbeitnehmer aus Deutschland, 209 aus Österreich und 201 Beschäftigte in der Schweiz teil.
Die Teilnehmer aus Deutschland beantworteten die Frage "Wie gut ausgestattet ist Ihr Arbeitsplatz?" wie folgt:
- Unsere Ausstattung lässt ziemlich zu wünschen übrig. (22 Prozent)
- Ich kämpfe täglich mit alter Technik und habe oft Rückenschmerzen wegen der unbequemen Bürostühle. (21 Prozent)
- Ich bin zufrieden. Über einen neuen Rechner würde ich mich aber freuen. (27 Prozent)
- Neueste Technik, ergonomischer Arbeitsplatz, gute Beleuchtung – alles top. (30 Prozent)
43 Prozent aller Antwortenden sind folglich mit der Ausstattung ihrer Arbeitsplätze unzufrieden (Österreich: 42 Prozent, Schweiz 50 Prozent). 21 Prozent fühlen sich sogar ganz unmittelbar in ihrer Gesundheit beeinträchtigt. Wie gleich mehrere Studien zur Leistungsfähigkeit im Büro belegen, gefährden die Arbeitgeber damit nicht nur die Gesundheit ihrer Mitarbeiter sondern verzichten auch auf einen erheblichen Teil deren Leistungspotentials.
Dass die Befragungsergebnisse trotz der nicht-repräsentativen Stichprobe ein realistisches Abbild der Arbeitsplatzqualität in Deutschland zeichnen, beweist ein Vergleich mit den Ergebnissen der Evaluation der Bildschirmrichtlinie. Diese lässt den Schluss zu, dass nach wie vor 3,6 Millionen Büroarbeitsplätze (rund 20 Prozent) nicht einmal den gesetzlichen Mindestanforderungen entsprechen.
Interessant wäre daher die Frage gewesen, wie viele der Befragungsteilnehmer unter anderem deshalb auf den Seiten von monster.de surfen, weil sie mit der Ausstattung ihrer Arbeitsplätze unzufrieden sind.

BüroEffizienz
Einfluss von Akustik und Beleuchtung auf die Leistungsfähigkeit
- Durchführung: HTWG Konstanz, Fraunhofer IBP Stuttgart, KU Eichstätt-Ingolstadt, Renz Solutions Aidlingen
Im Rahmen einer mehrstufigen Studie soll der Einfluss von Licht, Schall, Wärme und Geruch auf die Arbeitsleistung der Nutzer von Büros untersucht werden. Besonderes Gewicht legen die Projektpartner auf die Wechselwirkungen der einzelnen Parameter.
In einem ersten Laborversuch wurde der Einfluss der Beleuchtung (konstantes vs. schwankendes Licht) und der akustischen Bedingungen (nicht-sprachhaltiger Schall mit einem Grundgeräuschpegel von 35 dB vs. Gesamtschallpegel von rund 41 dB mit Sprachverständlichkeit) auf die Arbeitsergebnisse und das Wohlbefinden von 32 Versuchspersonen untersucht. In einem rund sieben stündigen Test mussten die Probanden einfache Aufgabenstellungen bewältigen, die Rückschlüsse auf die Qualität der Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Schlussfolgerungen zuließen. Die Messergebnisse wurden durch eine Befragung der Testpersonen ergänzt. Im nächsten Schritt sollen die Laborergebnisse einem Praxistest unter realen Bedingungen unterzogen werden. Parallel wird eine Versuchspuppe entwickelt, die künftig Büroräume im Alleingang – also ohne weitere Versuchspersonen – testen können soll.
Ergebnisse des Laborversuchs:
- Schlechte Akustik beeinflusst die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses negativ. Die Fehlerhäufigkeit steigt. Schlechte Beleuchtung scheint keinen direkten Einfluss auf das Arbeitsgedächtnis zu haben.
- Dagegen wird die Konzentrationsfähigkeit sowohl von schlechter Akustik als auch von schlechter Beleuchtung negativ beeinflusst.
- Bei guten akustischen Bedingungen empfanden die Probanden eine objektiv schlechte Beleuchtung als weniger störend als bei vergleichsweise schlechteren akustischen Bedingungen.
- Die Probanden hatten jedoch nur dann das Gefühl, bessere Arbeitsleistungen erbracht zu haben, wenn sowohl die akustischen Bedingungen als auch die Beleuchtung gut waren.
Die dargestellten Projektergebnisse wurden der Publikation "blickpunkt personal 1/2009" der Stadt Hamburg entnommen. Information zur akustischen Gestaltung von Büroräumen finden Sie im Themenbereich "Akustik" und in der Fachschrift 8 – Raumakustik. Hersteller von akustisch wirksamen Büromöbeln finden Sie in der Rubrik "Hersteller/Marken" (Stichpunkte: "Büroarbeitsplätze", "Raumgliederung/Stellwände", "Schrank- und Trennwände").

Ergonomische Untersuchung besonderer Büroarbeitsstühle
BGIA-Report 5/2008
- Herausgeber: Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (BGIA)
- Durchführung: BGIA, VBG, TNO Work on Employment/Nl
- Veröffentlichung: 2008
Die Studie untersucht vergleichend die Wirkung von vier "besonderen" Büroarbeitsstühlen mit der Wirkung eines Büroarbeitsstuhls mit konventioneller Synchronmechanik. Unter besonderen Bürostühlen werden im Rahmen der Studie solche Stühle verstanden, die durch ihre Konstruktion ein höheres Maß an Dynamik generieren sollen als konventionelle Bürostühle.
Untersucht wurden die physischen und muskulären Aktivitäten bei der Nutzung der Stühle sowie das subjektive Empfinden der Nutzer und deren Akzeptanz für besondere Stühle im Vergleich zu einem Referenzstuhl mit einer hochwertigen Synchronmechanik.
Messtechnisch konnten keine signifikanten Unterschiede zwischen dem Referenzstuhl mit Synchronmechanik und den besonderen Büroarbeitsstühlen nachgewiesen werden. Dagegen zeigte eine abwechslungsreiche Gestaltung der Arbeit postitive Effekte. Bei der subjektiven Komponente fielen die Ergebnisse für die einzelnen Stühle unterschiedlich aus. Eine klare Empfehlung für oder gegen besondere Büroarbeitsstühle lässt sich aus der Untersuchung nicht ableiten. Deshalb empfehlen die Herausgeber, auf eine abwechslungsreiche Arbeitsorganisation zu achten, Sitz-Steh-Konzepte in den Arbeitsablauf einzubauen und den subjektiv richtigen Arbeitsstuhl einzusetzen. Dieser sollte mit einer hochwertigen Synchronmechanik oder mit einer Mechanik mit vergleichbarer Qualität ausgestattet sein.
Weitere Informationen und die Studie zum Download finden Sie unter
http://www.dguv.de/bgia/de/pub/rep/rep07/bgia0508/index.jsp

Evaluation der EU-Bildschirmarbeitsrichtlinie
Nationaler Bericht Deutschland und länderübergreifender Vergleich
- Durchführung: TNS Infratest Sozialforschung, München und Prof. Dieter Lorenz, Fachhochschule Gießen-Friedberg
- Auftraggeber: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)
- Veröffentlichung: 2007/2008
1990 verabschiedete die Europäische Union eine Richtline, in der Mindestvorschriften zur Sicherheit und zum Gesundheitsschutz von Mitarbeitern an Bildschirmarbeitsplätzen festgelegt wurden. Diese Richtlinie wurde im Jahr 1996 mit der Bildschirmarbeits-Verordnung (BildschirmarbV) in nationales Recht umgesetzt.
Unter der Federführung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) untersuchten im Jahr 2006 eine Reihe europäischer Länder den Grad der Durchsetzung der Richtlinie in den jeweiligen Ländern. Beteiligt waren neben Deutschland, die Niederlande, Dänemark, die Tschechische Republik, Finnland und Großbritannien.
In Deutschland wurden TNS Infratest Sozialforschung, München und Prof. Dieter Lorenz, Fachhochschule Gießen-Friedberg mit der Durchführung der Untersuchung und einer vergleichenden Analyse aller internationalen Ergebnisse beauftragt.
In Deutschland wurden je 1000 Unternehmen und Mitarbeiter befragt. Zu den Ergebnissen der Untersuchung zählt die Erkenntnis, dass bis dato nur etwa jedes zweite Unternehmen in Deutschland die in der BildschirmarbV geforderten Arbeitsplatzbegehungen durchgeführt hat. Damit wurden ca. 76% der Beschäftigten in Deutschland erreicht. Nachholbedarf bei der Umsetzung der Richtlinie haben vor allem kleinere und mittlere Unternehmen. Rund drei von vier untersuchten Arbeitsplätzen wiesen Mängel auf. Der bso schätzt daher, dass noch rund 3,6 Millionen Bildschirmarbeitsplätze nicht den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestvorschriften entsprechen. Unternehmen, die ihre Arbeitsplätze einer Analyse unterzogen und Verbesserungen durchführten, bewerten diese mit großer Mehrheit als nützlich und erfolgreich. Rund 81% konnten eine Verbesserung der Arbeitszufriedenheit feststellen. 10% verzeichneten einen Rückgang krankheitsbedingter Arbeitsausfälle. Insgesamt betrachten die befragten Unternehmen Aufwand und Nutzen der Verordnung als zumindest ausgeglichen.
Die ausführlichen Ergebnisse der nationalen Untersuchung und der internationale Vergleich wurden von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) in zwei Berichtsbänden vorgelegt. Diese stehen auf der Seite des BMAS zum Herunterladen zur Verfügung:
- Nationaler Bericht Deutschland
Art. Nr. A378 - Integrierter länderübergreifender Bericht
Art. Nr. A377

Nutzen der Steh-Sitz-Dynamik
Untersuchung der Universitätsklinik Bochum
- Durchführung: Professor Dr. Christian G. Nentwig und Dipl. Pädagoge Andreas Lüderitz, Abteilung Prävention und Rehabilitation der orthopädischen Universitätsklinik Bochum
- Veröffentlichung: 1995/96
Für die Untersuchung wurden 27 Büroarbeitsplätze an zwei Bochumer Kliniken (St. Josef Hospital und Elisabeth Krankenhaus) mit Stehpulten ausgestattet. Mit den Mitarbeitern, die an diesen neu ausgestatteten Arbeitsplätzen arbeiteten und einer Kontrollgruppe von 15 Mitarbeitern, die in herkömmlicher Weise weiter arbeiteten, wurden vor und im Laufe der sechsmonatigen Testphase wiederholt strukturierte Einzelinterviews geführt. Außerdem wurde die Verhaltensänderung mittels einer computergestützten Videoanalyse erfasst.
Von Anfang an zeigten die Probanden eine hohe Akzeptanz für die neue Arbeitsmethode. Nach 4 Monaten wollten 20 der 24 Testpersonen nicht mehr nur auf konventionelle Weise – also ausschließlich im Sitzen – arbeiten. Zum Abschluss der Studie arbeiteten die Probanden rund ein Fünftel ihrer Zeit im Stehen. Damit konnte eine dauerhafte Verhaltensänderung erreicht werden.
Gleichzeitig zeigte die Videoanalyse, dass die Mitarbeiter zum Ende der Testphase aufrechter an ihren Stehpulten standen als zu Beginn des Versuchs. Nach drei Monaten klagten die Probanden nur noch halb so häufig über Beschwerden im Schulter-, Rücken- und Nackenbereich als zuvor. Danach blieb die Schmerzhäufigkeit auf dem erreichten niedrigeren Niveau. Die Arbeitszufriedenheit erhöhte sich signifikant und zwar linear von der ersten Befragung bis zum Ende der Testserie.
Untersuchung der Cornell University, Ihaca, NY
- Durchführung: Professor Alan Hedge, Cornell University, Design & Environmental Analysis, Ihaca, NY 14853
- Veröffentlichung: 2003/04
Untersucht wurden die Auswirkungen von elektrisch höhenverstellbaren Sitz-Steh-Arbeitstischen. Dafür wurden in einem Hochtechnologie-Unternehmen und in einer Versicherung Test-Büroarbeitsplätze zeitweise mit elektromotorisch höhenverstellbaren Sitz-Steh-Arbeitsplätzen ausgestattet. Die Untersuchung erfolgte auf Basis von strukturierten Interviews, die im Laufe der etwas 10-wöchigen Testzeit geführt wurden. Während dieser Testzeit hatten 33 Probanden die Möglichkeit, mindestens einen Monat lang an einem Sitz-Steh-Tisch zu arbeiten. In der übrigen Zeit arbeiteten alle Testpersonen an herkömmlichen Schreibtischen mit fester Höhe.
Zitate aus dem Untersuchungsbericht: "Die Ergebnisse der Studie belegen, dass es viele positive Veränderungen durch den Einsatz von elektrisch verstellbaren Sitz-Steh-Arbeitsplätzen gibt. Es hat sich eine signifikate Abnahme der Beschwerden des Bewegungsapparates im Vergleich zur Arbeit an konventionellen Schreibtischen gezeigt. Die Probanden haben eine deutliche Steigerung des Wohlbefindens und der persönlichen Produktivität festgestellt." Und weiter: "Festzustellen ist ein grundsätzlich positives Feedback auf die elektrisch verstellbaren Steh-Sitz-Arbeitsplätze. Mehr als 2/3 der Probanden würden die Arbeit an einem elektrisch verstellbaren Schreibtisch einem konventionellen Schreibtisch vorziehen."
Die Studie zum Download finden Sie unter:
www.ergo.human.cornell.edu/CUEHAWDownRep0904.html




