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>Ergonomie>Farbe>Farbtrends_2012>Farbtrends_2011

Roter Teppich
für neue Lacke

Auf der 64. Internationalen Automobilausstellung erlebt leuchtendes Rot in diversen Schattierungen eine Renaissance

Modelabels wie Prada, Lanvin und Valentino erkoren bei den Schauen in Paris und Mailand Rot als Trendfarbe für den Winter 2011/2012. "Die Trends für Farb- und Materialkombinationen entstehen zum Großteil zuerst in der Mode, dann ziehen sie ins Möbeldesign ein und erst dann werden sie in der Automobilausstattung aufgegriffen", erklärt Wolfgang Egger, Leiter Design im Audi Konzern. Entsprechend verhält sich auch der Lebenszyklus der Trendfarben in den jeweiligen Disziplinen: Mode sechs Monate, (Wohn-)Möbel etwa eineinhalb Jahre, Dekostoffe und Teppiche zwei bis drei Jahre und Autolacke überdauern meist vier bis fünf Jahre. So erklärt sich der Siegeszug der Farbe Weiß auf Deutschlands Straßen: Von der coolen und puristischen Gestaltung der Apple-Computer zum "Off White" für schnelle Wagen.

Das aktuelle Farb-Ranking sieht noch immer die Farben Grau/Silber und Schwarz mit zusammen über 60% Anteil bei Neuwagenzulassungen in Deutschland vorne. Platz drei hat jedoch bereits Weiß (11,5%) eingenommen, dicht gefolgt von Blautönen (10,5%). Etwas abgeschlagen folgen Rot und Braun mit jeweils etwa 6%. Die relativ starke Verbreitung von Braun lässt sich ableiten von den dunklen Interieurs aktueller Shops und Hotels. Diese Autolacke heißen "Hot Chocolate" oder "Cappuccino Beige" und bieten den perfekten Rahmen für den Lifestyle der "Latte-Macchiato-Familie".

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Rot ist der neue Star

Wolfgang Egger und sein Team besuchen immer wieder Möbelmessen, um die Entwicklungen in der Inneneinrichtung für ihre eignen Ideen zu Interieurs und Lacken zu nutzen. "Auf den letzten Messen sah man vielfach die Kombination Weiß/Grau. Mit Rot zusammen wirken diese Farben sehr futuristisch und passen wunderbar zu Audi." Entsprechend gestaltet ist dann auch der "Audi Ring", eine temporäre Messearchitektur auf der "Agora", der Freifläche des Frankfurter Ausstellungsgeländes. Außen dynamisch und futuristisch, innen klar und markenkonform. Die Showcars "A2" und "urban concept" sind weiß lackiert mit roten Streifen und rotem Interieur. Auch bei vielen anderen Automarken werden besonders die sogenannten "concept cars", die Studien der Zukunft, in feurigem Rot präsentiert. Der schnittige Evos von Ford schimmert in einer rot-orangenen Sonderfarbe.

Rot war Anfang der Achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts die absolute Trendfarbe für Automobile. Die Rot-Palette im Jahr 2011 ist schon aufgrund der technischen Entwicklung der Lacke sehr viel differenzierter aufgestellt. Oft tendiert das Rot deutlich zum Orange und zeigt sich mittels Perl-Effekten in höchster Brillanz. Nomen est omen: „Terracotta Orange“, „Rosso Brunello“, "Corrida Red", "Imola Rot", "Milano Red" versprechen Feuer, Kraft und italienische Momente.

Die Sonderlackierung des Mercedes SLK/R172 "designo zircon red" ist für einen Mehrpreis von 5.500 Euro erhältlich. Wer etwas weniger ausgeben möchte, kann diese Farbe als Nagellack für etwa neun Euro im Mercedes-Shop kaufen und vorab an Hand und Fuß testen.

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Klassiker

Die Standard-Farb-Paletten vieler Hersteller lassen sich auch 2011 wie folgt beschreiben: zwei Weiß-Töne, Schwarz, Rot, mehrere Grau- und Silberschattierungen, mindestens ein dunkles und ein mittleres Blau. Auch VW bleibt mit seinem neuen Mini-Auto "up!" dieser recht konservativen Farbwelt treu: Die vier Uni-Lackierungen heißen "White", "Pure White", "Light Blue" und "Red". Die Metallic-Ausführungen bewegen sich zwischen Silber, Dunkelblau und Schwarz.

Beim Rundgang auf der IAA fällt neben dem neuen Rot-Trend noch immer die Mehrheit der silbergrauen, weißen und schwarzen Ausstellungsstücke auf. Dazu Braun, ein wenig Gelb, kaum Grün und fast kein Violett mehr. Die Farbe Blau steht in hellen, transluzenten und türkisfarbenen Varianten für alles, was sauber, elektrisch und zukunftsorientiert ist. Dunkles Nachtblau mit schimmernden Glitzereffekten umhüllt die Karossen der Luxusmarken.

Leider bemühen sich nur wenige Aussteller, ihre aktuelle Farbpalette komplett zu präsentieren. Bei Skoda ist das anders: Alle zwei Jahre erhalten die Farben einen prominenten Raum auf dem Messestand. "Farbe verleiht Individualität", heißt es bei der VW-Tochter und Kugeln in Größe eines Handballs zeigen Töne mit Namen wie "Candy White", "Magnetic Brown", "Safari Scout", "Amethyst Purple" oder "Aqua Blue".

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Neue Oberflächen

Der Leiter BMW Group Design Adrian von Hooydonk erläutert in einem Interview: "Wir entwickeln eine neue Außenlackierung, Grau metallic in Matt. Die Reaktionen auf diese Lackierung sind umwerfend. Die ganze Welt ist der Ansicht, dass Wertvolles zu glänzen hat. Wir können einem Luxusauto auch Wert verleihen, indem wir Teile einmal nicht glänzen lassen." Bisher haftete den matten Lackierungen der Touch des Billigen, Selbstlackiertem an. Die neuen matten Lacke zeigen sich jedoch in einer hohen Wertigkeit und Optik.

Fast alle Hersteller präsentieren einen Wagen in seidenmattem Outfit, das die Betrachter zum Streicheln der Karosserie animiert. Es gibt jedoch auch Entwicklungen, die nicht nur die optische Seite der Lackierung fokussieren: Das Konzeptfahrzeug smart "forvision" besticht mit einem Effektlack, in dem Glasflakes für einen strahlenden Metallic-Look sorgen. Wichtiger Begleiteffekt: Die Farbe reflektiert Wärmestrahlen durch Sonne und Licht besonders gut und sorgt für kühlere Temperaturen im Wageninneren.

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Maßgeschneidertes Design

Hoch im Kurs stehen individuelle Farbkonzepte. Eine Mehrfarbigkeit der Karosserie bieten, neben den Pionieren in diesem Bereich, Smart und Mini, nun auch andere Hersteller wie zum Beispiel Renault beim Modell Twingo, mit Sonderfarben für die Außenspiegelgehäuse. Zweiton-Lackierungen sind überhaupt ein Renner, dabei wird meist das Dach in einer anderen Farbe gestaltet als der untere Teil des Wagens.

"Farbe ist etwas Persönliches, genau wie ein Bentley", verspricht die Luxus-Marke und bietet eine Vielzahl von Kombinationsmöglichkeiten für Außen und Innen. Rolls-Royce geht einen Schritt weiter und offeriert Lackierungen in jeder möglichen Farbe, so ungewöhnlich diese auch sein mag. Um die exklusiven Wünsche der Kunden zu erfüllen, beschäftigt man die angeblich besten Farb-Kompositeure der Welt, die jede erdenkliche Nuance mixen.

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Autofarben für's Office?

Die Orgatec 2010 zeigte Weiß als dominanten Farbton, dazu Farbtupfer in Violett und Türkis, Braun- und Beige-Schattierungen und natürlich Grau. Die Messestände der IAA sind ebenfalls sehr klassisch in Weiß gehalten. Grau, Holz-Töne, Chrom, mattes Silber, Creme-Farben und helles Blau dominieren. Vielleicht darf man sich ja in Köln 2012 auf anregende Farbtupfer in Rot freuen. Lediglich mit den matten Oberflächen entwickeln die Automobilhersteller einen eigenen Trend. Für die aktuelle Innenraumgestaltung wird nämlich in allen Trend-Reports glänzendes Material beschworen.

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Autorin: Christiane Scharpf, Strategische Designberatung, Frankfurt a. Main

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  • Rot ist der neue Star
  • Klassiker
  • Neue Oberflächen
  • Maßgeschneidertes Design
  • Autofarben für's Office?
BMW individual (Foto: BMW)
BMW concept car (Foto: IAA)
Mercedes concept A-Class (Fotos: Mercedes)
Ford Evos (Foto: IAA)
Mercedes SLK zirkon rot (Fotos: Mercedes)
VW up (Foto: Volkswagen)
Porsche 911 (Foto: Volkswagen)
BMW 6er-Reihe (Foto: BMW)
Audi Urban Concept (Foto: Volkswagen)
Renault Twingo (Foto: IAA)
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