Home-Office
Das Für und Wider der Büroarbeit zuhause
Bei Mitarbeitern beliebt, aber schlecht für Unternehmen? So klingt bisweilen die Diskussion um das Thema Home-Office. Bei näherer Betrachtung plädieren jedoch beide Seiten für ein Sowohl-als-auch.
Wie dieses aussehen kann muss in jedem Unternehmen und möglicherweise für jeden Arbeitnehmer individuell definiert werden. Im Folgenden werden einige Facetten der Arbeit im Home-Office aufgezeigt. Weitere Informationen zu dem Thema finden Sie unter Telearbeit.

Bei Mitarbeitern (mehrheitlich) beliebt,
Bei einer Befragung von 1.000 Bundesbürgern im Auftrag des IT-Branchenverbandes BITKOM zu Beginn des Jahres 2009 gaben 10 Prozent aller Berufstätigen an, zumindest teilweise von zuhause zu arbeiten. Bereits fünf Jahre zuvor kam das englische Beratungsunternehmen future foundation im Auftrag des IT-Spezialisten "brother" zu einem ähnlichen Ergebnis. Sie ermittelten einen Anteil von 6,8 Prozent aller Arbeitnehmer, die regelmäßig ihr Home-Office nutzen (siehe dazu Verbreitung der Telearbeit).
Ob die Unterschiede in den beiden Ergebnissen einer Zunahme der Arbeit im Home-Office sind oder ob sie durch unterschiedliche Definitionen und statistische Effekte zustande kommen, lässt sich nicht mit Sicherheit feststellen. Sicher ist dagegen, dass noch viel mehr Beschäftigte gerne im Home-Office arbeiten würden: Zu den 10 Prozent aller Befragten, die bereits zuhause arbeiten, kommen weitere 62 Prozent, die diese Möglichkeit ebenfalls gerne nutzen würden. Nur 28 Prozent der Arbeitnehmer ziehen den Arbeitsplatz im gemeinsamen Büro der Heimarbeit grundsätzlich vor.
Die Beliebtheit des Home-Office ist lebenssituationsabhängig.
Vor allem Frauen sehen in der Arbeit in den eigenen vier Wänden eine gute Ergänzung oder Alternative zur Tätigkeit in den Büroräumen des Arbeitgebers. 75 Prozent würden gerne in ihrem Home-Office arbeiten oder tun dies schon (gelegentlich). Bei Männern haben "nur" 63 Prozent der Arbeitnehmer den Wunsch zumindest zweitweise zuhause zu arbeiten oder nutzen diese Möglichkeit bereits.
Am wenigsten beliebt ist das Home-Office bei den 14- bis 29-jährigen. In dieser Altersgruppe überwiegt nach Einschätzung der Macher der Studie der Wunsch oder die Notwendigkeit sich im Job zu etablieren. Diesem Ziel werden Argumente, die für die Arbeit zuhause sprächen, untergeordnet.
Die Generation 50plus unterscheidet sich dagegen kaum von dem Durchschnitt aller Beschäftigten.
Am liebsten beides.
Trotz überwiegend positiver Einstellung zur Arbeit zuhause wünscht sich aber nach wie vor die Mehrheit der Arbeitnehmer zumindest zeitweise zusammen mit den Kollegen im gemeinsamen Büro zu arbeiten. Denn unter denjenigen, die derzeit nicht im Home-Office arbeiten können, dies aber gerne tun würden, präferiert nur ein Drittel die grundsätzliche Arbeit zuhause. Zwei Drittel würden lieber abwechselnd am Standort des Unternehmens und zuhause arbeiten.
Quelle: Bundesverband Informationswirtschaft Telekommunikation und neue Medien (BITKOM): "Die meisten Arbeitnehmer arbeiten gerne zu Hause", Pressemitteilung vom 29.04.09

... aber schlecht für Unternehmen?
Wer zuhause sitzt, kann nicht im Team arbeiten. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung widmete diesem Aspekt der Heimarbeit am 27.09.2009 in ihrem Wirtschaftsteil einen ausführlichen Artikel unter der Überschrift "Der Unsinn des Home Office – In Teams arbeiten die Menschen produktiver als allein." (Wir berichteten darüber in Ausgabe 13/Oktober 2009). Der Beitrag beleuchtet anhand von zwei wissenschaftlichen Studien die Bedeutung der Teamarbeit für die Wirtschaftlichkeit von Unternehmen.
Die zitierten Studien weisen nach, dass Teamarbeit nicht nur im Rahmen der Wissensarbeit, als Informations- und Lernquelle und zur Förderung der Kreativität extrem wichtig ist, sondern auch im Rahmen von Routinetätigkeiten zu deutlich mehr Effizienz führen kann.
Studie 1:
Die Professoren für Ökonomie Armin Falk, Universität Bonn, und Andrea Ichino, Universität Bologna, ließen Studenten alleine und in Teams von zwei Personen Fragebogen kuvertieren und versandfertig machen. Jeder Student arbeitete vier Stunden und erhielt eine leistungsunabhängige Bezahlung. Die "Teams" wurden zufällig zusammengestellt.
Es zeigte sich, dass Studenten, die in Zweiergruppen arbeiteten, durchschnittlich mehr leisteten als Studenten, die ihre Briefe alleine kuvertierten. Die Langsamen wurden vom Arbeitstempo ihrer Teamkollegen mitgezogen. Und selbst die Schnelleren wurden durch Teamarbeit offensichtlich motiviert, noch etwas schneller zu arbeiten.
Quelle: Armin Falk und Andrea Ichino: "Clean Evidance on Peer Effects", Journal of Labor Economics, 2006, vol. 24
Studie 2:
Der Frage, warum "Teamarbeit" die schwächeren Gruppenmitglieder zu mehr Leistung anspornt, widmen sich Alexandre Mas und Enrico Moretti von der University of California, Berkeley. Auch Sie lehren das Fach Ökonomie. Mas und Moretti verglichen dafür die Leistung von Kassierern anhand der Anzahl der erfassten Waren. Verglichen wurden wiederum die Leistungen von Personen, die alleine arbeiteten mit solchen, in deren unmittelbarer Nähe ein anderer, schnellerer Kassierer arbeitete.
Auch in diesem Versuch zeigte sich, dass das Arbeiten im "Team" beschleunigend wirkt. Allerdings war der Effekt nur dann zu beobachten, wenn sich die leistungsschwächeren Kassierer von ihren schnelleren Kollegen beobachtet fühlten. Außerdem wirkte es vorteilhaft, wenn die Langsamen wussten, dass sie auch künftig mit dem schnelleren Kollegen zusammenarbeiten würden. Die Forscher kamen daher zu dem Schluss, dass sozialer Druck fehlende intrinsische (innere, eigene) Motivation ersetzen kann.
Quelle: Alexandre Mas und Enrico Moretti: "Peers at Work", American Economic Review 2009, vol. 99

Fazit
Die Bedeutung der Arbeit in Gruppen, ist offensichtlich vielfältiger als oft angenommen. Arbeiten im Home-Office kann daher in den meisten Fällen nur dann wirklich effizienzsteigernd sein, wenn sich Arbeiten zuhause mit dem Arbeiten im Büro abwechseln.
In Kombination beider Arbeitsformen kann die Möglichkeit zuhause zu arbeiten sowohl die Zufriedenheit als auch die Produktivität der Betroffenen deutlich steigern.
Für die Arbeitsplatzgestaltung bedeutet dies, dass sowohl im häuslichen Umfeld als auch im Büro geeignete Arbeitsbedingungen geschaffen werden müssen. Minderwertige Arbeitsplätze sind an keinem der beiden Standorte akzeptabel.
Dagegen kann auch das zeitweise Arbeiten von Mitarbeitern im Home-Office die Chance eröffnen, die Zahl der Arbeitsplätze am Standort des Unternehmens zu reduzieren und Büroflächen einzusparen oder anderweitig zu nutzen. Voraussetzung ist, dass mehrere Mitarbeiter teilweise im Home-Office arbeiten und zu unterschiedlichen Zeiten Arbeitsplätze im gemeinsamen Büro nutzen. In diesen Fällen kann die Anzahl der Arbeitsplätze durch Desk-Sharing oder Non-territoriale Büros verringert werden.

Einrichtung von Home-Office-Arbeitsplätzen
An die Einrichtung von Home-Office-Arbeitsplätzen müssen dieselben ergonomischen und sicherheitstechnischen Anforderungen gestellt werden wie an die Arbeitsplätze im Büro. Selbst wenn nur einzelne Tage im Home-Office gearbeitet wird, ist es nicht ausreichend, nur auf die "gutes Aussehen" des Heimarbeitsplatzes zu achten.
- In unseren Nutzer-Tipps finden Sie eine komprimierte Zusammenstellung all dessen, worauf Sie bei der Einrichtung von Home-Office-Arbeitsplätzen achten sollten.
- Das Kapitel Sitzen und Stehen beinhaltet einige weiterführende Informationen zur Auswahl geeigneter Büromöbel.
- Unter Telearbeit finden Sie Informationen zu rechtlichen Aspekten des Themas.





